Turin ist keine Perle, Turin ist eine ehrliche Stadt. Turin ist auch eine Hauptstadt, die des Piemonts, einem kulinarischem Schlaraffenland und vielleicht auch die von Slow Food. "Turin kulinarisch" in 3 Tagen ist deshalb genauso wenig aufschlussreich wie all die Japaner und Chinesen die meinen, 3 Tagen reichen um Europa zu kennen. Aber (!), es ist so wie ein kleiner Apéro der Lust auf mehr macht. Und der uns die eine odere andere seeligmachende Entdeckung beschert hat.
Die erste grossartige Entdeckung machen wir gleich am ersten Abend. Wir hatten mehrmals versucht per Mail im Ristorante Consorzio zu reservieren, allerdings ohne Antwort. Als wir dann vor Ort nachfragen teilt man uns lapidar mit, man nehme Reservierungen nur telefonisch entgegen. Hätten wir uns ja eigentlich denken können. Und Platz hat es natürlich keinen mehr. Auch für die Folgetage ist alles ausgebucht. Pech gehabt. Der Wirt empfiehlt uns, es in seinem zweiten Restaurant, dem Banco Vini e Alimenti, gleich um die Ecke zu probieren. Was wir dann auch tun. Eine einfach eingerichtete Bar mit ein paar Tischen, ein reges Gedränge und eine entspannte Atmosphäre. Jeder scheint hier jeden zu kennen. Es ist ein stetes Kommen und Gehen und immer wieder ziehen verführerische Duftnoten aus der Küche vorbei. Wir entscheiden uns, unter anderem, für ein klassisches piemomteser Gericht aus dem Mittelalter, ein Eintopf aus verschiedenen Innereien und Hahnenkämmen, die Finanziera. Für alle die es nämlich noch nicht wissen, ein Tier besteht nicht nur aus Filet. Und die sogenannt minderen Stücke schmackhaft zuzubereiten ist um einiges anspruchsvoller als ein Filet zu braten. Der Koch des Banco kann's. Die Konsistenz ist etwas ungewohnt, der Geschmack vorzüglich. Dazu geniessen wir, und jetzt kommt die grosse Überraschung, einen Ruché di Castagnole Monferrato. Sensationell! Da Ruché sehr körperreich und langlebig ist, entstehen aus
dieser Rebsorte sehr ungewöhnliche Weine, die durch Ihren wunderschönen
Duft zu verzaubern wissen. Ruché wurde wahrscheinlich im 18. Jahrhundert
aus dem Burgund in das Piemont gebracht und erst seit den 1970ern
erfreut sich die Rebsorte wieder größerer Beliebtheit. Wir haben gleich den grossen Weintest gemacht, das heisst, wir haben eine Flasche mit über die Alpen genommen und er schmeckt auch hier noch ausgezeichnet. Die Winzerin Nadia Verrua hat hier tolle Arbeit geleistet.
Da wir gleich um die Ecke des berühmten Caffès al Bicerin wohnen, probieren wir am Samstag als erstes DIE Turiner Kaffee-Spezialität, den Bicerin. Es haut uns nicht aus den Socken aber dies vermutlich auch, weil das eher ein Getränk für die kalten Tage ist. Wer mehr über die Kaffee-Szene von Turin erfahren möchte der findet auf dem Blog von Kaffa Wildkaffee meinen Artikel Capuccino, Gelato, Torino. Wir lassen uns anschliessend durch Turin treiben und landen auf der Piazza Palazzo del Città wo an diesem Samstag gerade Markt ist. Ein kleiner, feiner Bio-Markt auf dem man tolles Brot, allerlei Gemüse und Früchte aus der näheren Umgebung, Seifen, Keramikwaren aber auch fantastische, geröstete Piemonteser Haselnüsse findet. Wir haben die von der Azienda Agricola Piatti Antonella Mazzè gekauft und finden sie perfekt. Nach dem Marktbummel sind wir weiter auf die Piazza Carignano um uns an der Speisekarte des Del Cambio den Mund wässrig zu lesen. Del Cambio ist, für alle, die noch nicht das Glück hatten dort zu speisen, DER Edelitaliener von Turin, italienische Haut Cuisine. Wir finden allerdings je länger je weniger Gefallen an dieser Art von Küche und bevorzugen je länger je mehr eine Cucuina Casalinga. Echte, währschafte Küche finden wir passt viel besser zu Italien. Hinter dem Palazzo Carignano stolpern wir über einen Blumenmarkt. Dieses Wochenende findet gerade die Flor15 statt, ein grosser Blumen- und Pflanzenmarkt in verschiedenen Strassen und auf diversen Plätzen. Hier lässt sich gut verweilen aber irgendwann treibt uns der Hunger in Richtung Piazza Vittorio Veneto wo wir in der Porto di Savona einen Spuntino leggero geniessen. Die Adresse haben wir aus dem Slow Food-Führer Osterie d'Italia (2011/12) der uns bis anhin immer äusserst zufriedenstellend geführt hat.
Frisch gestärkt spazieren wir dem Po entlang in den Parco Valentino. Einer der beliebtesten Aufenthaltsorte der Turiner an warmen Sommertagen. Und weil wir ja nicht nur zum Lustwandeln in Turin sind sondern auch zum Arbeiten (doch, doch!) mussten wir natürlich unbedingt ins Laboratorio del Caffè ORSO (der Bericht dazu hier). Der Ausgang führte uns durch die Gelateria Mara dei Boschi dessen Gelato al limon ein himmlischer Traum ist. Und das Pistazieneis ist ebenfalls göttlich. Selig lächelnd bestaunen wir den reichen Gemüse- und Früchtemarkt auf der Piazza Madama Christina, gleich geradeaus. Und göttliche Fügung muss es sein, die uns einen Schwenker machen lässt in die Via Bernardino Galliari. Dort geht der Markt weiter und etwa auf Höhe der Hausnummer 28 finden wir einen Käsestand. Genug von himmlisch, selig und göttlich. Dieser Käsestand war teuflisch gut. Verführung pur wohin das Auge blickte. Ein Teil der Käse waren hausgemacht, andere im eigenen Keller affiniert um das Angebot zu ergänzen. Wer jemals an einem Samstag in Turin ist und hier keinen Käse kauft, der hat wirklich was im Leben verpasst!
Langsam bummeln wir zurück Richtung Zentrum, nicht ohne in der Via Carlo Alberto der Versuchung nachzugeben und endlich den langgehgten Wunsch eines Myrrhe-Strauchs zu erfüllen den wir bei einem der tausend Händler der Flor15 finden. Voll bepackt gehts zurück zu Riccardos toller airbnb-Wohnung wo ich mir einen wohlverdienten Chinotto gönne während die Damen sich frisch machen. Leider finden wir im L'Acino keinen Platz mehr und so wählen wir müde und hungrig einfach das nächstbeste Restaurant. Am Sonntag geht's zum Frühstuck in die Cremolose "Il Gusto Giusto" wo es einen dieser Capuccino's gibt wie ihn nur die Italiener verstehen zuzubereiten. Über die Piazza Reppublica und die Via Borgo Dora laufen wir bis zum Fluss hoch, überqueren die Brücke und folgen dann dem Fluss entlang bis zur Corso Regio Parco. Dort beschliessen wir das Thema "Abseits von touristischen Trampelpfaden" abzuschliessen und kehren zurück Richtung Zentrum. Wir laufen durch die königlichen Gärten bis zum Museo Nazionale del Cinema, einem eindrücklichen, das Stadtbild prägendem Gebäude. Was uns mehr interessiert ist das gleich gegenüber liegende Ristorante Sotto al Mole in dem wir für den Abend einen Tisch reservieren. Von dort geht's wieder auf die Piazza Vittorio Veneto wo wir diesmal im Caffè Helena einen Spuntino leggero zu uns nehmen. Der Antipasto-Teller ist empfehlenswert und besonders die Acciughe verde ein wahrer Genuss. Dann zieht's uns hoch, auf die andere Seite des Flusses, zur Kirche Santa Maria del Monte von wo man einen tollen Blick über die Stadt hat. Von dort zieht es uns unweigerlich in Richtung Gelateria Mara dei Boschi wo wir es uns nochmals gut gehen lassen. Schliesslich muss man ja alles Gute zweimal testen um sicher zu sein :-). Am Abend dann nehmen wir einen Aperol Spritz und einen Negroni in einer der unzähligen Bars und schauen dem Treiben in den Bogengängen zu. Hungrig und voller Vorfreude heisst's dann ab ins Restaurant, welches auch im Slow Food-Führer empfohlen wird. Wir bestellen, unter anderem, ein Tatar, Vitello Tonnato, Tajarin, das sind Teigwaren die nur mit Eier und Mehl gemacht werden, mit Ragù di coniglio e fave, Agnolotti alla piemontese und Merluzzo fritto su crema di piselli. Das Essen ist erstklassig und die Preise sind mehr als korrekt. Zum Dessert gab es Torta di nocciole con salsa allo zabajone. Auch die war prima, es war aber zuviel davon auf dem Teller. Es war unser zweiter Besuch und er hat die wirklich tolle Küche bestätigt. Das Ambiente ist schlicht elegant und die Atmosphäre herzlich. Eine wirklich empfehlenswerte Adresse.
Am Montag Mittag gab's noch einen Abstecher zu Pastificio Defilippis. Ein von Slow Food als Maestri di Gusto ausgezeichneter Pasta-Produzent. Die Pasta wird mit den traditionellen Bronzeformen hergestellt was ihr eine rauhe Oberfläche gibt und so die Sauce besser haften lässt. Äusserst zufrieden mit diesem kulinarischen Appetitmacher fahren wir wieder nach Hause. Wir freuen uns schon auf unseren nächsten Turinbesuch. Denn unsere Liste mit feinen Adressen ist noch lang und wir sind sicher, auch noch ganz viele fantastische Entdeckungen zu machen die in keinem Führer stehen. Wir denken, im Herbst wäre es sicher eine tolle Zeit für neue kulinarische Entdeckungen. Das Wasser läuft uns jetzt schon im Mund zusammen ...
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Samstag, 30. Mai 2015
Donnerstag, 16. April 2015
Barcelona kulinarisch
Lust auf perlenden Cava, traumhafte Tappas und malerische Märkte? Lust auf bombastische Brunchs, schmelzende Schokolade und katalanische Kaffeekunst? Lust auf klasse Küche, wunderbare Weine und köstlichen Käse? Willkommen in Barcelona. Und wenn Sie dazu noch Lust auf herzliche Gastfreundschaft, inspirierendes Design, hochstehende Kunst und das weite, blaue Meer haben dann müssen Sie unbedingt nach Barcelona. So wie wir.
Abfahrt, letzten Dienstag, um 8h30, bei wunderbarem Wetter. Wir entscheiden uns nicht die A7 via Avignon und Montpellier zu nehmen sondern durch das Massive Central und über die Pont de Millaut zu fahren. Dort machen wir auch Halt für eine Mittagspause. Zu unserer grossen Überraschung gibt es kein liebloses, schlabbriges Raststätten-Sandwich (welches ich sowieso nicht gegessen hätte (lieber hungern!)) sondern gediegenen Fastfood. Vom 3 Michelin-Sterne-Koch Michel Bras entworfene Capucin und dazu seine Holunderlimonade. Gestärkt mit regionalen Produkten fahren wir dann weiter bis nach Barcelona. Die auf airbnb gemietete Wohnung entspricht unseren Erwartungen und wir machen's uns gemütlich. Frisch ausgeruht geht's los zu einem ersten Stadtbummel, die Passeig de Gràcia runter bis zur Plaça de Catalunya. Vorbei an Edelboutiquen wie sie auf der ganzen Welt zu finden sind entdecken wir bereits die ersten, von Gaudi beeinflussten Jugendstil-Bauten wie die Casa Batlló, hier in einem prämierten Video. Planlos schlendern wir durch das Universitätsquartier und landen schlussendlich vor der Eingangstür des "bestgehüteten Geheimnisses von Barcelona" dem Accés-Restaurant wo wir einen Tisch reserviert hatten. Die Adresse des bestgehüteten Geheimnisses hat uns ein Freund, Didier Mézières von der deliziösen Crêperie Chez-toi in Zürich, verraten. Er kennt nämlich Fabian Quiles, den Chefkoch des Accés. So lassen wir uns mit wirklich traumhaften Ochsenschwanz-Canneloni verwöhnen, vielleicht die beste Vorspeise unseres viertägigen Barcelona-Besuches. Zum Hauptgang gibt es zarteste, niedergegarte Lammschulter mit Gemüse-Couscous. Das Preis/Leistungsverhältnis ist sehr gut. Satt vom ausgezeichneten Essen und müde von der langen Fahrt gehen wir zufrieden zu Bett.
Um diesen Artikel nicht unendlich in die Länge zu ziehen beschränke ich mich lediglich auf die Abendessen. Wer etwas über die bombastischen Brunchs und die katalanische Kaffeekunst erfahren möchte der wird auf dem Blog von Kaffa Wildkaffee fündig.
Auch am zweiten Abend folgen wir einem Tipp von Didier, diesmal geht's zu einem alten Bekannten von ihm. Nicolas empfängt zusammen mit dem Koch Javier im ganz intimen Rahmen im 3. Stock einer alten Industrieloft aus dem 19. Jahrhundert. Die Hidden Factory ist kein gewöhnliches Restaurant, maximal 9 Leute sitzen auf drei Seiten einer grossen Tafel. An der vierten Seite steht Javier und bereitet vor unseren Augen die Menus vor. Bei uns gab es ein 7 gängiges Degustationsmenu: l'Art nouveau und die katalanische Küche im 19. Jahrhundert. Nicolas serviert, erklärt, unterhält, schenkt nach, räumt auf, die zwei sind ein eingespieltes Team. Javier, ehemals Orchestermusiker, musste wegen Gelenkbeschwerden den Beruf wechseln. Virtuos und mit viel Hingabe spielt er heute auf dem Kochherd, seine Einsätze sind perfekt und die bravourös aufgeführten Stücke vereinen sich zu einem harmonischen Meisterwerk. Ein Abendessen hier ist mehr ein unterhaltsames Gesamtkunstwerk als ein rein gastronomischer Höhepunkt. Wir essen köstliche Spargeln, geräucherte Steinpilze mit Linsenkaviar, fantastischen Fisch, Bellota-Schinken, mit Huhn gefüllte Canneloni, niedergegartes Gitzi-Rack und ein originelles Dessert aus selbstgemachtem Frischkäse. Das war natürlich nicht alles sondern jeweils nur ein Teil eines Ganges. Es war wirklich köstlich aber es war vermutlich ein Gang zuviel. Der Preis von 75€ für alles inklusive ist sehr korrekt. Schade nur, gab es am Schluss keinen Kaffee.
Der dritte Tipp kam von Hans Georg Hildebrandt. Genau, das ist der, der das beste aller Tonics produziert, das Gents. Auf Leute mit Geschmack kann man sich verlassen und deshalb haben wir am dritten Abend das Mam I Teca gebucht. Eine kleine Eckbar mit drei, vier Tischchen, ein paar Hocker rundrum und einer Auswahl an sicher über 200 Spirituosen hinter der Bar. Elf Sitzplätze, ohne die 5 an der Bar. Kleiner geht es kaum. Die Küche ist einfach, aber gut. Nein, sehr gut, sensationell gut, würde ich sogar sagen. Es ist schwieriger mit ganz einfachen Produkten hervorragend zu kochen als mit Luxusprodukten. Zur Vorspeise gab es Oliven, Padron, das sind kleine grüne, gebratene und mit grobem Salz bestreute Peperoni, Thon, Sardellen in Öl und Sardellen in Essig. Nichts aufregendes, aber in erstklassiger Qualität. Zum Hauptgang gab es einmal Kichererbsen und Schweinsbratwurst und einmal Rührei mit Spargeln und Rohschinken. Dazu eine Flasche besten Cava. Mehr braucht der Mensch nicht um glücklich zu sein. Das Schoko-Orangen-Törtchen war der perfekt Abschluss. Im Mam I Teca wird nach der Slow Food-Philosophie gekocht. Die Produkte kommen alle aus einem Umkreis von weniger als Hundert Kilometer. Wenn ich in Barcelona leben würde, würde ich mindestens einmal pro Woche dort essen gehen. Toll fanden wir auch die prominent platzierte Einladung, gleich hier im Restaurant Slow Food-Mitglied zu werden. Wäre schön, wenn sich der eine oder andere Wirt in der Schweiz davon inspirieren lassen würde ... Für den anschliessenden Schlummertrunk empfehlen wir das zurzeit absolut angesagte 33/45, gleich um die Ecke.
Bleiben wir doch gleich bei Slow Food. Der vierte, und für uns letzte Tipp, denn leider mussten wir wieder nach Hause, kam von Präsidenten von Slow Food Bern, Raphael Pfarrer. Er schlug uns die gediegene Bar Cañete vor, unweit der berühmt berüchtigten Rambla. Eine Tapas-Bar als krönender Abschluss. Und was für ein Abschluss. Wir haben fantastische dreieinhalb Stunden auf den bequemen Barhockern verbracht. Geschmaust, was die Karte hergab (die Gemüse-Cocotte mit pochiertem Ei war eines der Highlights oder die Bombon genannte geschmorte Schweinebacke), die souveräne und gutgelaunte Service-Crew bewundert (rund 12 Leute waren hinter der Bar aktiv), gelacht, getrunken, diskutiert und uns verwöhnen lassen. Für das Dessert hatte es fast keinen Platz mehr, wir haben es uns geteilt.
Wir haben in diesen 4 Tagen wunderbar gegesssen, frei nach dem Motto: Man muss dem Körper etwas bieten, damit die Seele Lust hat darin zu wohnen. Herzlichsten Dank dafür, Didier, Hans Georg und Raphael.
Und wer Barcelona sagt und, so wie wir, gerne gut isst, der muss natürlich unbedingt einen Besuch auf dem eindrücklichsten aller Quartiermärkte, der Boqueria machen. Nur zwei Schritte von der Rambla entfernt ist dieser ein grosses Touristenmagnet. Es gibt unzählige Stände mit fast dem gleichen Angebot an Früchten und frisch gepressten Fruchtsäften und unzählige Stände mit Patta negra-Rohschinken. Dazwischen gibt es aber auch ein unheimlich reiches Fischangebot und allerlei Delikatessen erster Güte, wenn man sich Zeit nimmt sie zu suchen. Wir waren ebenfalls auf dem Mercat Santa Caterina weil wir einen weniger touristischen Markt sehen wollten. Auch hier war das Fischangebot erstklassig, es gab ausgezeichnete Käsegeschäfte (einer führte sogar Gruyère der Freiburger Käserei Moléson und Raclette aus dem Val de Bagne), Wurst- und Rohschinken, Gemüsehändler, eine gemütliche Tapas-Bar und ein einladendes Markthallen-Restaurant. Eine richtige Quartier-Markthalle mit unaufgeregtem Charme.
Natürlich haben wir in diesen vier Tagen nicht nur gegessen. Wir haben uns die Füsse platt gelaufen und auch mal die schwarzen Taxis mit den gelben Türen genommen (meist günstiger als die U-Bahn mit einem Einzelticket). Wir waren am Strand wo es vermutlich mehr Tücher-, Mojito- und Sangria-Verkäufer aus Afrika gab wie Touristen und Einheimische zusammen. Wir haben die Gondelbahn über den Hafen genommen und die Sagrada Família besucht. Obwohl diese eine unvorstellbare Baustelle ist und keinerlei die Ruhe eines Gotteshauses austrahlte war sie doch wirklich SEHR eindrücklich. Barcelona hat uns sehr gut gefallen, wir kommen gerne wieder! Dann werden wir ganz sicher das Carballeira ausprobieren, welches ausgezeichnete Fischküche und, weils gerade Saison ist, weisse Spargeln aus Navarra im Angebot haben soll.
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| Plaça de Catalunya |
Abfahrt, letzten Dienstag, um 8h30, bei wunderbarem Wetter. Wir entscheiden uns nicht die A7 via Avignon und Montpellier zu nehmen sondern durch das Massive Central und über die Pont de Millaut zu fahren. Dort machen wir auch Halt für eine Mittagspause. Zu unserer grossen Überraschung gibt es kein liebloses, schlabbriges Raststätten-Sandwich (welches ich sowieso nicht gegessen hätte (lieber hungern!)) sondern gediegenen Fastfood. Vom 3 Michelin-Sterne-Koch Michel Bras entworfene Capucin und dazu seine Holunderlimonade. Gestärkt mit regionalen Produkten fahren wir dann weiter bis nach Barcelona. Die auf airbnb gemietete Wohnung entspricht unseren Erwartungen und wir machen's uns gemütlich. Frisch ausgeruht geht's los zu einem ersten Stadtbummel, die Passeig de Gràcia runter bis zur Plaça de Catalunya. Vorbei an Edelboutiquen wie sie auf der ganzen Welt zu finden sind entdecken wir bereits die ersten, von Gaudi beeinflussten Jugendstil-Bauten wie die Casa Batlló, hier in einem prämierten Video. Planlos schlendern wir durch das Universitätsquartier und landen schlussendlich vor der Eingangstür des "bestgehüteten Geheimnisses von Barcelona" dem Accés-Restaurant wo wir einen Tisch reserviert hatten. Die Adresse des bestgehüteten Geheimnisses hat uns ein Freund, Didier Mézières von der deliziösen Crêperie Chez-toi in Zürich, verraten. Er kennt nämlich Fabian Quiles, den Chefkoch des Accés. So lassen wir uns mit wirklich traumhaften Ochsenschwanz-Canneloni verwöhnen, vielleicht die beste Vorspeise unseres viertägigen Barcelona-Besuches. Zum Hauptgang gibt es zarteste, niedergegarte Lammschulter mit Gemüse-Couscous. Das Preis/Leistungsverhältnis ist sehr gut. Satt vom ausgezeichneten Essen und müde von der langen Fahrt gehen wir zufrieden zu Bett.
Um diesen Artikel nicht unendlich in die Länge zu ziehen beschränke ich mich lediglich auf die Abendessen. Wer etwas über die bombastischen Brunchs und die katalanische Kaffeekunst erfahren möchte der wird auf dem Blog von Kaffa Wildkaffee fündig.
Auch am zweiten Abend folgen wir einem Tipp von Didier, diesmal geht's zu einem alten Bekannten von ihm. Nicolas empfängt zusammen mit dem Koch Javier im ganz intimen Rahmen im 3. Stock einer alten Industrieloft aus dem 19. Jahrhundert. Die Hidden Factory ist kein gewöhnliches Restaurant, maximal 9 Leute sitzen auf drei Seiten einer grossen Tafel. An der vierten Seite steht Javier und bereitet vor unseren Augen die Menus vor. Bei uns gab es ein 7 gängiges Degustationsmenu: l'Art nouveau und die katalanische Küche im 19. Jahrhundert. Nicolas serviert, erklärt, unterhält, schenkt nach, räumt auf, die zwei sind ein eingespieltes Team. Javier, ehemals Orchestermusiker, musste wegen Gelenkbeschwerden den Beruf wechseln. Virtuos und mit viel Hingabe spielt er heute auf dem Kochherd, seine Einsätze sind perfekt und die bravourös aufgeführten Stücke vereinen sich zu einem harmonischen Meisterwerk. Ein Abendessen hier ist mehr ein unterhaltsames Gesamtkunstwerk als ein rein gastronomischer Höhepunkt. Wir essen köstliche Spargeln, geräucherte Steinpilze mit Linsenkaviar, fantastischen Fisch, Bellota-Schinken, mit Huhn gefüllte Canneloni, niedergegartes Gitzi-Rack und ein originelles Dessert aus selbstgemachtem Frischkäse. Das war natürlich nicht alles sondern jeweils nur ein Teil eines Ganges. Es war wirklich köstlich aber es war vermutlich ein Gang zuviel. Der Preis von 75€ für alles inklusive ist sehr korrekt. Schade nur, gab es am Schluss keinen Kaffee.
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| copyright Qype user Bea250... |
Bleiben wir doch gleich bei Slow Food. Der vierte, und für uns letzte Tipp, denn leider mussten wir wieder nach Hause, kam von Präsidenten von Slow Food Bern, Raphael Pfarrer. Er schlug uns die gediegene Bar Cañete vor, unweit der berühmt berüchtigten Rambla. Eine Tapas-Bar als krönender Abschluss. Und was für ein Abschluss. Wir haben fantastische dreieinhalb Stunden auf den bequemen Barhockern verbracht. Geschmaust, was die Karte hergab (die Gemüse-Cocotte mit pochiertem Ei war eines der Highlights oder die Bombon genannte geschmorte Schweinebacke), die souveräne und gutgelaunte Service-Crew bewundert (rund 12 Leute waren hinter der Bar aktiv), gelacht, getrunken, diskutiert und uns verwöhnen lassen. Für das Dessert hatte es fast keinen Platz mehr, wir haben es uns geteilt.
Wir haben in diesen 4 Tagen wunderbar gegesssen, frei nach dem Motto: Man muss dem Körper etwas bieten, damit die Seele Lust hat darin zu wohnen. Herzlichsten Dank dafür, Didier, Hans Georg und Raphael.
Und wer Barcelona sagt und, so wie wir, gerne gut isst, der muss natürlich unbedingt einen Besuch auf dem eindrücklichsten aller Quartiermärkte, der Boqueria machen. Nur zwei Schritte von der Rambla entfernt ist dieser ein grosses Touristenmagnet. Es gibt unzählige Stände mit fast dem gleichen Angebot an Früchten und frisch gepressten Fruchtsäften und unzählige Stände mit Patta negra-Rohschinken. Dazwischen gibt es aber auch ein unheimlich reiches Fischangebot und allerlei Delikatessen erster Güte, wenn man sich Zeit nimmt sie zu suchen. Wir waren ebenfalls auf dem Mercat Santa Caterina weil wir einen weniger touristischen Markt sehen wollten. Auch hier war das Fischangebot erstklassig, es gab ausgezeichnete Käsegeschäfte (einer führte sogar Gruyère der Freiburger Käserei Moléson und Raclette aus dem Val de Bagne), Wurst- und Rohschinken, Gemüsehändler, eine gemütliche Tapas-Bar und ein einladendes Markthallen-Restaurant. Eine richtige Quartier-Markthalle mit unaufgeregtem Charme.
Natürlich haben wir in diesen vier Tagen nicht nur gegessen. Wir haben uns die Füsse platt gelaufen und auch mal die schwarzen Taxis mit den gelben Türen genommen (meist günstiger als die U-Bahn mit einem Einzelticket). Wir waren am Strand wo es vermutlich mehr Tücher-, Mojito- und Sangria-Verkäufer aus Afrika gab wie Touristen und Einheimische zusammen. Wir haben die Gondelbahn über den Hafen genommen und die Sagrada Família besucht. Obwohl diese eine unvorstellbare Baustelle ist und keinerlei die Ruhe eines Gotteshauses austrahlte war sie doch wirklich SEHR eindrücklich. Barcelona hat uns sehr gut gefallen, wir kommen gerne wieder! Dann werden wir ganz sicher das Carballeira ausprobieren, welches ausgezeichnete Fischküche und, weils gerade Saison ist, weisse Spargeln aus Navarra im Angebot haben soll.
Dienstag, 12. Januar 2010
Maloja - ein Schlaraffenland

Das letzte Wochenende haben wir in Maloja, auf rund 1800 M.ü.M., verbracht da ich für das Magazin slow ein Portrait über Jürgen Schnaithmann schreiben durfte. Jürgen Schnaithmann, seines Zeichens Gastgeber (zusammen mit Claudia Altermatt) und Küchenchef im bekannten Chesa Alpina ist berühmt für seine regionale und saisonale Küche die wir ausgiebig testen konnten. Zu seiner Küche möchte ich an dieser Stelle eigentlich nur so viel sagen: In meinem ganzen Leben (das ja nun auch schon immerhin 40 Jahre dauert) habe ich noch NIE (!) so ein zartes Kalbssteak gegessen. Alles andere lesen Sie in der nächsten Ausgabe von slow.
Am Sonntag Morgen hat Jürgen Schnaitmann dann noch einen kleinen Ausflug mit uns gemacht. Er hat mir einen Ort gezeigt, von dem ich schon lange träume. Ein Ort, an dem der Himmel voller Schinken hängt. Paradiesische Zustände sozusagen. Wir waren zu Besuch bei Renato Giovanoli. Dieser Name ist Ihnen kein Begriff? Na dann:
Renato Giovanoli feiert heuer seinen 75. Geburtstag. In Deutschland ist er bekannt wie ein bunter Hund. Grau-schwarze Haare, grauer Vollbart und blaue Augen. Von Beruf Bauer und Metzger. Obwohl, in diesem Alter ist man ja eigentlich längst pensioniert. Nicht so Hr. Giovanoli (obwohl auch er langsam ans aufhören denken soll, wie ich gehört habe, was wir sehr bedauern). Was ihn so berühmt macht sind seine Produkte: Würste, Trockenfleisch, Salsize, Speck, Schinken und noch vieles mehr. Das alles von einer Qualität, die seinesgleichen sucht, von einem Geschmack, den man nirgends mehr findet. Man hat fast das Gefühl, man könne die Kräutlein schmecken, die das Tier sich im Sommer auf der Alpweide einverleibt hat. Eine Räucherkammer, so schwarz wie des Teufels Seele. Würden wir alle viel weniger Fleisch essen, dafür nur in dieser Qualität, die Welt wäre besser, vielleicht fast schon ein Paradies ...
Und wie Robert von lamiacucina (dort finden Sie auch einen Wegbeschrieb) auf seinem Blog schreibt, hängen die feinen Dinger im Winter auch schon mal an der Dachtraufe. Hier der Beweis (auch wenn's ein bisschen Adleraugen braucht :-)
Ach ja, paradisisch ist übrigens auch der Marronigugelhopf (ganz ohne Mehl) in der Chesa Alpina, begleitet von einer feinen Flasche Selezione von Plozza ... Maloja ist wirklich ein Schlaraffenland.
Montag, 23. Februar 2009
Gut Ding ...
... will Weile haben. Was bei Wein und Delikatessen gilt soll auch hier im Blog gelten. Nach einem länger als gedacht dauernden Unterbruch geht's heute, genau einen Monat später, wieder weiter.Viel ist passiert, in den letzten vier Wochen. Ich war mit meiner Familie eine Woche auf Amrum. Das ist eine kleine Insel in der Nordsee ganz im Norden, unweit der Grenze zu Dänemark. Wir haben uns den Wind um die Ohren wehen lassen, sind stundenlang den Strand entlang gelaufen (der dort bis zu zwei Kilometer breit ist!) und haben feinste Friesenwaffeln mit Pflaumenmus und Schlagrahm gegessen.
Dann waren meine Schwiegereltern aus Frankreich bei uns zu Besuch. Wir waren unter anderem auch in Einsiedeln und haben in einem Goût-mieux-Restaurant zu Mittag gegessen. Meine Schwiegereltern waren etwas erstaunt. Sie hätten nicht gedacht, dass die dem Konzept zugrundeliegenden Ideen überhaupt ein Thema sein könnten, geschweige denn das dies profitabel umgesetzt werden könne. Das Essen hat ihnen aber sehr gemundet und sie fanden die Idee schlussendlich gar nicht so abwegig ...
Gemundet hat mir das Essen am letzten Samstagabend. Ich traf mich nämlich mit vielen Mitgliedern des slow food-Conviviums Aargau-Solothurn zum nationalen Härdöpfeltestessen. Getestet wurden fünf verschiedene Pro-Specie-Rare-Sorten. Einmal als Bratkartoffeln, einmal als Kartoffelstock und einmal als Gschwellti. Dieser Abend war sehr entspannend und hat mir nach dem anstrengenden Freitag echt gut getan.
Am Freitag war ich nämlich an der BioFach in Nürnberg. Ich glaube, man kann ohne zu übertreiben sagen, das dies die weltweit grösste Messe für biologische Lebensmittel ist. Ich war natürlich dort um interessante Produkte für meine boutique gourmande zu finden und mit Produzenten zu diskutieren. Und gefunden hab ich tatsächlich zwei, drei wirklich erstklassige Produkte. Von kleinen Produzenten, hergestellt mit grösstem handwerklichem Können und mit viel Liebe und Sorgfalt. Wenn Sie jetzt gerne wissen möchten, was für Produkte denn das sind muss ich Sie leider noch ein wenig vertrösten. Warten Sie auf meinem Frühlingskatalog, der Ende März, Anfangs April erscheint und lassen Sie sich überraschen. Gut Ding will eben Weile haben ...
Dienstag, 16. Dezember 2008
Generation Mondovino
Kürzlich las ich in der Westschweizer Tageszeitung "Le Temps" einen Artikel von Patricia Briel der besagt, dass ein neuer Wind durch die Weinwelt bläst: Man spricht nur noch von Terroirweinen, von Emotionsweinen, von natürlichen Weinen, von kleinen Produzenten die die Reben und die Erde respektieren, von lokalen Rebsorten, von Authentizität usw. Die modernen, sehr konzentrierten Weine die jedem und jeder auf Anhieb gefallen verlieren langsam ihren Reiz, mögen sie noch so grosse Namen tragen. Sassicaia und Ornellaia sind out, dasselbe gilt für Opus One oder Vega Sicilia, den grossen Spanier. Sie sind alle dem Geschmack des grossen Weinkritikers Robert Parker angepasst und dadurch schlussendlich sehr eintönig. Dies sagt Jonathan Nossiter in seinem sehr kritischen Dokumentarfilm Mondovino. Er nahm Partei für all die kleinen Produzenten die mit ihrer Erde und der Seele ihrer Weine verbunden sind.In diesem Artikel war auch die Rede von Xavier Debloch, dem von GaultMillau gewählten Sommelier 2009. Er sagt, dass die internationalen Weine ihn nicht interessieren: "Sie sind oft sehr teuer. Und ich habe den Eindruck, dass die Marken einem Image verpflichtet sind der die Identität des Weines entstellt."
Für alle jene, die keine Etikettentrinker sind gibts nun auch in den feinen Restaurants wieder wirklich spannende Weine mit einem ausgezeichneten Preis-/Leistungsverhältnis zu entdecken. So zum Beispiel bei Albi von Felten im Landhotel Hirschen in Erlinsbach, einem Terroirist der ersten Stunde. Wirklich gute Terroirweine, oder Emotionsweine, von kleinen Produzenten finden Sie selbstverständlich auch in meiner boutique gourmande.
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